Flauschige Fellnasen und eine Erfahrung für's Leben
Insgesamt sieben Monate lang konnten wir in Kanada und den USA in die verschiedensten Leben der Einwohner Amerikas blicken - und dabei noch das tun, was wir auf unserer Reise sehr zu schätzen gelernt haben: Uns um sämtliche Vierbeiner kümmern, sei es Hund, Katze oder sogar eine kleine Farm mit Hühnern.
Das Konzept
Das Konzept der Webseite „Trusted Housesitters“ kannten wir vor unserer Reise nur sehr vage durch Influenzer auf Instagram und durch eine Reise-Facebookgruppe. Wir waren also nicht groß vertraut mit dem dort beworbenen Haus- und Haustiersitting, doch oft lasen wir, es sei ein perfekter Mix zwischen dem Reisen und normalem Alltag.
Als wir im März nun in Kanada ankamen, in der Hand unsere Arbeitserlaubnis für ein Jahr, machten wir uns nach kurzer Zeit auf Jobsuche. Wir druckten Bewerbungen, verteilten diese in verschiedenen Cafés und anderen Betrieben, und bekamen meistens die Antwort: Ihr seid leider nicht in der Hochsaison, aber in ein paar Monaten sieht die Lage schon besser aus.
Mist!
Kurzerhand erstellten wir ein Profil auf der Webseite „Trusted Housesitters“ und bewarben uns auf mehrere Anzeigen.
Bei Trusted Housesitters kann man als Haustierbesitzer jemanden finden, der sich um seine Tiere und sein Heim kümmert, während der Besitzer außer Haus ist. Bei dem Ganzen geht es jedoch mehr darum, dass sich jemand liebevoll um das Tier kümmert, viel Zeit mit ihm verbringt, sodass das Tier nicht alleine ist.
Registriert man sich wie wir als ein Betreuer, kann man eben jenen Haussit finden, der einem von der Location und dem Tier gut zusagt. Man verdient zwar damit aktiv kein Geld, spart sich jedoch die Wohnkosten und hat jeden Morgen das Glück, eine kuschelige Fellnase bei sich zu haben.
Erwin und ich bewarben uns direkt in ganz Vancouver auf die unterschiedlichsten Haussits, doch wie man so schön sagt: Aller Anfang ist schwer. Auf zehn Bewerbungen bekamen wir sieben Rückmeldungen, davon fünf Absagen und zwei Zusagen. Unsere erste Zusage bekamen wir von einer Dame mit vier Hunden. „Ach du meine Güte, das wird verrückt“ dachten wir erst, nahmen die Herausforderung aber an und hatten einen unserer schönsten Haussits. Cathy, die „Mama“ der Vierbeiner ist eine der hilfsbereitesten Frauen, die wir auf unserer Reise kennengelernt haben. Das wir direkt eine so selbstlose und emphatische Dame kennenlernen, hätten wir nicht gedacht. Wir schlossen sie schnell in unser Herz ein und waren sogar zwei Mal zur Haustierbetreuung bei ihr.
Auf unsere geliebten Fellnasen aufzupassen, geriet immer mehr in unseren Fokus. Wir liebten es, die unterschiedlichsten Gefährten in unserem Leben zu haben und konnten uns irgendwann nicht mehr vorstellen, ohne die Vierbeiner durch‘s Leben zu gehen. Das Füttern, Wandern, Pflegen und Kuscheln (v.a. mit den Hunden) war für uns irgendwann so wichtig geworden, dass wir uns sogar überlegten, einen Hund zu adoptieren und mit nach Deutschland zu nehmen. Fun Fact: Auch jetzt ist dies noch ein großer Wunsch, der hoffentlich in Erfüllung geht!
Wie hat sich das House- & Petsitting für uns mit der Zeit geändert?
Bei unseren ersten Sits waren wir sehr nervös. Das Vorstellungsgespräch über einen Videoanruf mit den Haustiermamas- und papas war die erste Hürde für uns, und auch die Zeit während des Sitts wollten wir natürlich mit dem Tier alles richtig machen. Mit der Zeit jedoch wurden wir immer lockerer, die Vorstellungsgespräche bereiteten uns Freude und mit manchen Menschen entwickelten sich sogar tolle Freundschaften.
Wir wussten irgendwann, worauf wir bei den Vierbeinern achten mussten, konnten die Belange der Haustierbesitzer verstehen und wussten, was ihnen wichtig war (regelmäßige Bilder und Videos von Haus und Hund bspw.). Andersrum war es oft so, dass die Leute ihre Lebensmittel zur Verfügung stellten, uns zum Essen einluden oder sogar für uns kochten. Oft waren wir erstaunt über die Wohnsituation, z.B. hatten wir oft das Glück einen eigenen Whirlpool zu haben, einen Jacuzzie oder einen riesigen Kräuter- und Obstgarten, wo wir uns bedienen durften.
Dadurch, dass wir sehr gute Bewertungen bekamen, konnten wir uns irgendwann die Häuser und Wohnungen aussuchen, in die wir wollten und bekamen sogar Anfragen zu Haus- und Haustierbetreuungen.
Hätten wir noch länger in Kanada und den USA bleiben können?
Ja, das hätten wir. Dadurch, dass wir uns oft sehr gut mit den Haustierbesitzern verstanden, wurden wir von ihnen mehrmals gefragt, ob wir Lust hätten weitere Male bei ihnen zu Sitten. Auch wurden wir von ihnen bei ihren Freunden und Bekannten weiterempfohlen. Am meisten wurden wir allerdings für Silvester angefragt, was ziemlich lustig ist, da wir im Dezember bereits fast schon mit unserer Tour durch Bolivien durch waren. Von einem Paar wurden wir sogar nach Japan eingeladen, da sie dorthin umgezogen sind.
Im Endeffekt hätten Erwin und ich noch ungefähr ein weiteres Jahr lang als Sitter durch Amerika reisen können.
Was waren die erstaunlichsten Locations, an denen wir untergekommen sind?
Am beeindruckendsten fanden wir ein Haus in Cochrane in Kanada. Es war kein normales Haus, da es aufgebaut und eingerichtet war wie die Unterkunft einer Königsfamilie. Dort gab es unzählige Artefakte, der Wert aller Gegenstände und der Einrichtung für einen „Normalo“ unbezahlbar. Wandgemälde, eine Ritterrüstung, blaue, rote, grüne Zimmer, eine hauseigene Bibliothek, Requisiten bestimmter Filme, Kunsträume und so vieles mehr … Hier wachte ich morgens auf und fühlte mich wie die Queen höchstpersönlich. :D
Auch sehr im Kopf geblieben ist uns unser dreiwöchiger Haussit auf Saltspring Island, einer Insel auf Vancouver Island in Kanada. Hier lebten wir in einer Villa mit großem Garten und einer Menge Colibris jeden Morgen vor unserem Fenster. Schöner geht‘s kaum!
Bei einem Haussit durften wir direkt an einem See wohnen und mit den Kajaks der Besitzer immer rausfahren. Einmal machten wir einen Ausflug und ruderten damit rund 10 Kilometer über den See. Noch nie waren wir so dankbar, so unglaublich viel erleben zu dürfen und Vertrauen geschenkt zu bekommen. Denn wenn man mal genau überlegt: Für diese Menschen waren wir anfangs Fremde aus Deutschland, die sich darauf bewarben, auf ihre Tiere aufzupassen.
Wie viel Geld haben wir durch unsere Haustierbetreuung gespart?
Hätten wir acht Monate lang Hostels, AirBnBs und Hotels in den jeweiligen Orten buchen müssen, wären wir auf insgesamt 30.000 € gekommen, die wir zusätzlich hätten ausgeben müssen.
Unser Fazit:
Durch Trusted Housesitters waren wir viel mehr als nur Backpacker in einem Land: Wir haben Freunde gefunden, haben wie richtige Bewohner Amerikas gelebt, somit auch viel realistischere Eindrücke vom dortigen Leben bekommen und vor allem: Wir haben viele flauschige Fellbabys lieben gelernt und gemerkt, dass uns das Kümmern um Tiere extrem viel Spaß macht. Deshalb haben wir auch in Deutschland mittlerweile zwei Pflegehunde und können unserer Leidenschaft nachgehen.
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Harte Schale, weicher Kern: Hugo
Unsere 4 Süßen von Vancouver
Das Schlafzimmer wird sich natürlich geteilt 😁